Kommentare

Wenn die japanische

Wenn die japanische Verfassung eine "Abdankung" nicht vorsieht, ist doch anzunehmen, daß es die Abschiedsrede des Kaisers war, mit welcher er sein Volk auf seinen bald zu erwartenden Tod hinweisen wollte.

Spekulationen um Abdankung?

Die Rede kann doch auch einfach das bedeuten, was der Kaiser sagt: Er erfüllt sein Amt eben nicht mehr so wie er es bisher getan hat, sondern macht Abstriche.
Es ist schon eine Merkwürdigkeit, dass immer mehr Monarchen auf die Idee kommen (oder ihnen diese Nahegelegt wird) zu Lebzeiten abzudanken.
Der Kaiser ist kein Angestellter mit Rentenanspruch, sondern folgt einer lebenslangen Aufgabe.
Heutzutage haben wir sogar einen Papst in Rente, verrückte neue Welt...

@c4--

Die Monarchie als Staatsform ist schlicht und einfach nicht mehr zeitgemäss.

re blauburgunder

"Die Monarchie als Staatsform ist schlicht und einfach nicht mehr zeitgemäss."

Man könnte die Frage auch schlicht und einfach denen überlassen, die es angeht.

Abschied oder Abdankung

Es würde der japanischen Mentalität durchaus entsprechen eine mögliche Abdankung zunächst noch nicht beim Namen zu nennen (zumal sie in dem Sinne ja noch nicht einmal MÖGLICH ist). Stattdessen werden hier Beweggründe und klar zu benennende Faktoren im Vorfeld im Detail erläutert – wobei schon das offene Ansprechen von Problemen und persönlichen Gründen ein deutliches Zeichen der moderenen Zeit ist – bevor eventuell eine Verfassungsänderung zur späteren Abdankung in Angriff genommen würde.
Hier über eine Abdankung zu spekulieren ist also keineswegs fahrlässig.
Tatsächlich ist anzunehmen, dass der Tenno das Wort "Abdankung" nicht in den Mund nehmen wird, ehe es tatsächlich zu einer solchen kommen kann (und dann höchstwahrscheinlich auch WIRD).
Was nun für Japanologen insbesondere interessant sein wird, dürfte die Frage sein, ob Akihito auch nach seiner Abdankung noch unter diesem Namen bekannt sein wird, oder ob er bereits mit dem an sich "posthumen" Namen Heisei bedacht werden wird.

@ c4--

"Heutzutage haben wir sogar einen Papst in Rente, verrückte neue Welt..."

Verrückt daran ist eigendlich nur, dass es auf der Welt immer noch so etwas, wie verfassungsmäßig verbriefte Machtübergabe an Abkömmlinge gibt. Nur weil irgendwelche Vorfahren sich in ausbeuterischer Manier Reichtum und Macht verschafft haben, wird beides von Generation zu Generation vererbt. DAS ist "verrückt"!

Was halt fehlt ist die

Was halt fehlt ist die gesetzliche Grundlage... da aber der Kaiser offiziell keine "Politik machen" darf, kann er auch nicht ohne eine entsprechende Änderung des Gesetzes zum kaiserlichen Haushalt abdanken.

Kaiser(in)

Ausserdem erwarten viele Japaner und vor allem Japanerinnen, dass die Thronfolgeregelung nun endlich geändert wird, damit auch weibliche Nachfahren des Kaisers die Thronfolge antreten dürfen.

Akihitos ältester Sohn, Kronprinz Naruhito, hat nur eine Tochter. Ohne Regelungsänderung würde Naruhitos Bruder auf Rang Zwei der Thronfolge kommen.

@ blauburgunder

"Die Monarchie als Staatsform ist schlicht und einfach nicht mehr zeitgemäss."
Das gilt besonders für die japanische Variante, die ist besonders anachronistisch. Aber wie in England hängt das Volk oft an solchen Traditionen. Ich finde das weniger schlimm als die unreflektierte Fortführung von religiösen Traditionen, wo man so tut, als gäbe es einen Gott (oder gar mehrere), der nach unserem Tod unsere Sünden in einer Kartei hat und uns danach beurteilt. Ist das noch zeitgemäß? Ein konstitutiver Kaiser in der Verfassung, warum eigentlich nicht? Aber Gott in der Verfassung? Das kommt mir erst recht seltsam vor. Der Gott-Kaiser ist ja zum Glück selbst in Japan abgeschafft.

@blauburgunder

"Die Monarchie als Staatsform ist schlicht und einfach nicht mehr zeitgemäß." - Das sehe ich anders. Sie hat gegenüber der Republik eine Vielzahl an Voreilen: Sie bietet mehr Kontinuität, stärkere Identifikationsfiguren und ist in der Lage eine angemessene Repräsentation zu bieten, ein deutscher Bundespräsident ist dagegen ein lachhafter Abklatsch.

@Hugomauser

"Verrückt daran ist eigentlich nur, dass es auf der Welt immer noch so etwas, wie verfassungsmäßig verbriefte Machtübergabe an Abkömmlinge gibt." - Das nennt sich Erbrecht. Das existiert überall, z.B. bei Familienbetrieben bzw. eigentlich bei jeder größeren Erbschaft (da Geld vielfach Macht bedeutet).

"Nur weil irgendwelche Vorfahren sich in ausbeuterischer Manier Reichtum und Macht verschafft haben, " - Im Gegenteil, adelig wurde man durch Verdienste gegenüber Fürst und Land durch herrscherliche (=staatliche) Machtvergabe, schauen sie in einem Lexikon mal unter 'Feudalismus' nach.

"wird beides von Generation zu Generation vererbt. DAS ist 'verrückt'!"- Ich habe keine Ahnung, was sie gegen das Erbrecht haben und warum sie Adelige verunglimpfen, aber die Machtelite unserer Zeit ist genau so undemokratisch und erblich, nur anonymer, heterogener und weniger repräsentativ.

@zyklop

"Ich finde das weniger schlimm als die unreflektierte Fortführung von religiösen Traditionen, wo man so tut, als gäbe es einen Gott (oder gar mehrere), der nach unserem Tod unsere Sünden in einer Kartei hat und uns danach beurteilt. Ist das noch zeitgemäß?" - Sie tun so, als würde keiner daran glauben und man würde solches aus reinem Traditionalismus aufrechterhalten.
Hätten sie mit ihrer Annahme Recht, dann natürlich auch mit ihrer Schlussfolgerung, aber sie verkennen die reale Existenz von Religiosität und Glauben. Solange ein Volk mehrheitlich religiös ist, macht es auch absolut Sinn Gott in die Verfassung zu schreiben. Warum auch nicht? Kann ja auch nicht schaden:
"Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen [...] hat sich das Deutsche Volk [...] dieses Grundgesetz gegeben." (Aus der Präambel des deutschen Grundgesetzes).
Selbst für jemanden, der nicht gläubig ist, kann die darin enthaltene Ablegung des Totalitarismus eigentlich nur positiv aufgefasst werden.

Identifikationsfigur

Akihitos Rücktritt könnte vielleicht auch ein Vorbild für Kaiserin Merukelito sein ... ;-)

Spaß beiseite: Ich glaube, man sollte die identifikationsstiftende und somit auch stabilisierende Wirkung einer solchen Institution nicht unterschätzen. Mein Lieblingsbeispiel hierfür ist Ghana, das ich einigermaßen kenne. Eine parlamentarische Demokratie (mit echten Wahlen, die auch mal zu friedlichen Machtwechseln führen) mit Parlamentssitz in Accra, daneben ein König der Ashanti in Kumasi. Die Ashanti bilden die relative Mehrheit des Volkes, der "Rest" sind kleinere Ethnien. Die Ashanti fühlen sich durch ihren König repräsentiert und haben daher nicht den Anspruch, auch den Regierungschef zu stellen. Die übrigen Ethnien sehen ihre Anliegen von Accra aus wahrgenommen und fühlen sich daher auch "gesehen". Ich denke, diese "Gewaltenteilung" ist ein wesentlicher Grund für die relative Stabilität und Prosperität Ghanas in einem vielerorts von ethnischen Konflikten zerrissenen Kontinent.

MfG A.

um 11:58 von c4--

Ungewöhnlich ist eine Abdankung zugunsten des Erben eigentlich nicht
Selten war sie in Historischer Zeit v.a. weil die Wenigsten Alt genug wurden um sie in Erwägung zu ziehen; aber wenn dann war die Notwendigkeit das die Amtspflichten erfüllt werden i.d.R. höher bewertet als das Persönliche Geltungsbedürfnis.
Die Meisten Langzeitherrscher gelten ja eher als Negativbeispiel weil die Spätzeit ihrer Herrschaft eher Gesellschaftlichen Stillstand kennzeichnete weil sie die Änderungen nicht mehr "erlebten"
Siehe Queen Victoria
Währe King Charles III vlt in der Lage gewesen die Schwierigkeiten auf die GB zu steuert abzuwenden?

Das Hohepriester nun abtreten können, aus selbigen Gründen ist eine gute Neuerung
der Teno ist ja beides
Kaiser und Papst

Darstellung: